Reingeschaut: In The Grey

Guy Ritchie ist schlicht unermüdlich. Gefühlt alle sechs Monate haut der britische Kult-Regisseur einen neuen Streifen raus – mal ein cleveres Gangster-Epos, mal einen knallharten Söldner-Thriller. Mit In The Grey schickt er nun das absolute Traum-Trio Henry Cavill, Jake Gyllenhaal und Eiza González in eine gewagte Rückhol-Aktion im tückischen Niemandsland zwischen Law & Order und kompletter Gesetzlosigkeit.

Ob das Ganze der nächste Snatch ist? Nicht ganz. Aber wer Lust auf einen gelungenen und unterhaltsamen Action-Abend hat, kommt hier voll auf seine Kosten.

Die Handlung: Wo Recht auf Schattenwirtschaft trifft

Die Prämisse schreit förmlich nach Ritchie: Anwaltsperson Rachel Wild (Eiza González) vertritt namhafte Investmentfirmen, die ihr Geld nicht so ganz auf legalem Wege zurückbekommen. Als ein knallharte Milliardär und Waffenschieber (Carlos Bardem) schlappe eine Milliarde Dollar einbehält und den Vermittler schlicht liquidieren lässt, greift Rachel zu härteren Bandagen.

Sie heuert die beiden „Spezialisten“ Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal) an. Die Aufgabe: Die Kohle beschaffen, die feindliche Infrastruktur lahmlegen und am Ende ungeschoren davonkommen. Klingt nach einem einfachen Heist, entwickelt sich aber schnell zu einer militärischen Kaskade aus Sabotage, Bestechung und verdammt viel Blei.

Der Ritchie-Faktor: Wenn die Erklärung den Film übernimmt

Wer Guy Ritchie kennt, weiß, dass der Mann ein Händchen für Monologe, verschachtelte Erklärungen und plötzliche Kommentare aus dem Off hat. In der ersten Hälfte von In The Grey passiert im Grunde actiontechnisch noch gar nicht so viel – stattdessen wird geplant. Und das in aller Ausführlichkeit.

Ritchie nutzt seine typischen visuellen Spielereien: Schnelle Schnitte, beschriftete Standbilder, Kommentare der Figuren direkt in die Kamera und kaskadierende Rückblenden, die erklären, warum Vorhaben A erst funktioniert, wenn Ablenkung B greift. Das ist zwar furchtbar konstruiert, macht aber schlichtweg Spaß, weil Cavill und Gyllenhaal eine herrlich spielfreudige Dynamik an den Tag legen.

Die Mission: Planen, Vergessen, Schießen

Das Absurde an der Struktur des Films – und das ist ein klassisches Element der neueren Ritchie-Arbeiten – ist die Gewichtung. Gefühlt 70 Prozent des Films verbringen wir mit der absolut akribischen Vorbereitung der Mission. Man lernt jeden Notfallplan, jeden Fluchtweg und jede platzierte Wanze auswendig.

Doch sobald der eigentliche Zugriff startet, rückt die penible Planung merkwürdigerweise komplett in den Hintergrund. Die Figuren verhalten sich urplötzlich wieder wie ein klassisches Action-Duo, schießen sich durch Gegnermassen und lassen die ganzen ausgetüftelten Kniffe scheinbar links liegen.

Aber natürlich nur, um ganz “plötzlich” – Überraschung! – genau auf diese Pläne zurückzugreifen. Wenn das Team in einer ausweglosen Situation in einer Plantage umzingelt wird, stellt sich völlig unvorhersehbar heraus, dass hier drei Szenen zuvor ja die Sprengfalle platziert wurde. Das ist für den Zuschauer zu 100 % absehbar und bietet null echten Surprise-Effekt, sorgt im Kinosaal aber dennoch für ein schadenfrohes Schmunzeln, weil es so konsequent durchexerziert wird.

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Fazit:

In The Grey ist garantiert kein filmisches Meisterwerk und bringt das Genre keinesfalls auf ein neues Level. Man sieht fast jede Wendung Meilen im Voraus kommen, die moralischen Grauzonen werden eher behauptet als tiefgründig verarbeitet, und manche Abläufe wirken arg zusammenkonstruiert.

Aber: Das macht überhaupt nichts! Der Film ist ein absolut solider, stylischer und extrem unterhaltsamer Action-Kracher für den Feierabend. Das Trio Cavill, Gyllenhaal und González hat eine tolle Chemie, die Dialoge sitzen und die Shootouts sind knackig inszeniert. Wer Ritchie-Filme der letzten Jahre mag, wird auch hier mit einem Grinsen aus dem Kino oder vom Sofa aufstehen.

Kategorien: Entertainment, Reingeschaut
Markus

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