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Reingelesen: Meine Amy – Ein Abschied in Worten von Tyler James

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Meine Amy

Im letzten Monat war der 10. Todestag von Amy Winehouse, einer großartigen Künstlerin, die leider viel zu früh von uns gegangen ist – wie so viele andere andere auch. Tyler James, ein sehr enger Freund, vielleicht sogar ihr längster und bester, hat mit „Ein Abschied in Worten, Meine Amy“ ein sehr persönliches und ehrliches Buch geschrieben, das ich in den letzten Tagen meines Urlaubs quasi verschlungen habe.

Nie hat die Welt die wahre Amy gesehen. Ich möchte endlich ihre Geschichte erzählen

Tyler James

Wenn man dieses Buch liest, erkennt man recht schnell, dass Tyler einen ganz anderen Zugang zu Amy hatte, wie zum Beispiel Menschen wie Pete Doherty, Mark Ronson oder (vor allem) Blake Fielder-Civil. Vielleicht sogar mehr, als Amy selber. Zumindest zu späteren Zeiten. Tyler James war Seelenverwandter, Bruder, Samariter, Bewunderer, platonischer Liebhaber und wusste vermutlich selber nie genau, welche Rolle er übernehmen sollte oder wollte.

Tyler James ist ein Jugendfreund von Amy und war schon weit vor ihrem Durchbruch mit dem zweiten Album „Back to Black“ sehr eng mit ihr befreundet. Im Alter von 13 Jahren lernte er Amy in der Musikschulle kennen. Er stand stets an ihrer Seite, er durchlebte alle Höhepunkte und sämtliche Tiefen mit ihr. Er bemerkte, wie sehr der Ruhm und der exzessive Lebensstiel Amy fertig machte, wie sie zudem von ihrem Vater Mitch ausgenutzt wurde. Er musste mit ansehen, wie sie durch die toxische Beziehung zerstört wurde, er ging mit Ihr durch die Bulimie, durch Entzüge und die darauf folgenden Rückfälle, alles Dinge, die er persönlich auch durchgemacht hat.

Ich war immer wieder gezwungen, zu beobachten, wie ihr Leben – egal, was sie durchmachte, wie real es für sie selbst war, wie untröstlich sie sich fühlte – nichts als Unterhaltung für alle anderen war.

Tyler James
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Für Tyler war Amy aber eben nicht der Star Amy Winehouse, für ihn war Amy eine ausgelassene, witzige, fürsorgliche Frau, die es geliebt hat, ihre Freunde zu bekochen und sich nichts mehr wünschte, als eine eigene Familie.

Nach Jahren der Trauer war er jetzt bereit, die gemeinsame Geschichte zu erzählen und diese Geschichte liest sich wirklich gut. Familie, Freundschaft, Partys, über manche Geschichten man kann laut lachen und manche Exzesse und sich auftuende Abgründe sind einfach nur erschreckend.

Wie fertig und innerlich zerrissen muss ein Mensch sein, um sich so etwas freiwillig anzutun. Wobei man hier vermutlich nicht von freiwillig sprechen kann. Innerlicher Zwang, die Flucht vor der Realität, vor dem Berühmt sein, was an sich schön sein muss, was Amy aber so nie wollte. Sie wollte einfach nur eine Jazzsängerin sein.

Ruhm ist wie Krebs im Endstadium. Das wünsche ich keinem.

Amy Winehouse

Dieses Buch fügt noch so viele weitere Bilder und Geschichten der Biografie von Amy Winehouse hinzu, ehrliche, tief gehende Erlebnisse von Tyler an der Seite einer tollen, aber auch sehr kranken Künstlerin, die sich selbst zerstört hat. Tyler James schreibt unfassbar ehrlich und schonungslos und nimmt selbst bei seiner eigenen Sucht kein Blatt vor den Mund

Kleiner Blick in Meine Amy:

Lieber Amy sein und leben, als beim Versuch, „Amy Winehouse“ zu sein, sterben. Scheiß auf „Amy Winehouse“, das ist nur eine Figur, scheiß auf diese Rolle!

Mantra von Tyler James

Tyler James schafft es, ein erschreckend ehrliches Buch über Amy zu schreiben, der Amy, der auch er nicht helfen konnte, der Amy, die sich systematisch selber zerstört hat. Traurig. Wer heute denkt, Drogen wären eine spitzen Idee, der sollte sich mal dieses Buch durchlesen. Vielleicht merkt die Person dann schnell, das dieses ganze berauschende Zeugs am Ende absoluter Mist ist.

Meine Amy
  • Herausgeber:‎ Ullstein Taschenbuch; 1. Edition (28. Juni 2021)
  • Sprache: ‎Deutsch
  • Taschenbuch: ‎368 Seiten
  • ISBN-10: ‎3548065813
  • ISBN-13: ‎ 978-3548065816

Markus

Vater, Fotograf, Blogger, Medienmensch, alles eher autodidaktisch, aber alles mit ganz viel Leidenschaft. Ist auch bei Twitter & Instagram unterwegs. Natürlich kann man mir auch bei Facebook folgen. Zusätzlich blogge ich auf markusroedder.de über Dinge, die hier keinen Platz finden.

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