Reingelesen: Fascholand (Wir sind hier immer noch in Deutschland), von Canberk Köktürk

Canberk Köktürks Debütroman Fascholand widmet sich auf provokante und spannende Weise den Themen Alltagsrassismus und Rechtsextremismus in der deutschen Gesellschaft. Seine Sprache ist direkt, ungeschönt und authentisch, er scheut sich zudem nicht, die absolut hässliche Seite der Gesellschaft zu zeigen.

Klappentext von Fascholand:

In seinem Sachbuchkrimi ermittelt Canberk Köktürk gegen Deutschland, denn Hass, Hetze und struktureller Rassismus vergiften das Land. Köktürk schreibt, wie andere zuschlagen: präziese, schmerzhaft und mit einem Lächeln auf den Lippen. Ein Buch, das Deutschland verdient – und dringend braucht.

Canberk Köktürk spricht mit Betroffenen, sammelt Indizien und trägt Wissen von unterschiedlichsten Menschen zusammen. Gerade die Erfahrungen von Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere die Ängste und Bedrohungen, werden in “Fascholand” sehr anschaulich dargestellt, in Kombination mit Köktürks beißendem Humor ist liest sich dies wirklich wunderbar.

Trotz der fesselnden und oft schonungslosen Erzählung, die mich wirklich in ihren Bann gezogen hat, sowie der überaus wichtigen Thematik gibt es aber auch einige kritische Punkte, die man bei der Lektüre nicht außer Acht lassen sollte.

Schwarz-Weiß, Klischees, Stereotypen und stilistische Schwächen

(Schwarz-Weiß-Zeichnung) Canberk Köktürk neigt dazu, seine Charaktere doch sehr eindimensional darzustellen. Die “Guten” sind fast makellos und die “Bösen” sind nahezu durch und durch böse. Ein differenzierter Blick auf die Motivationen und Hintergründe der Figuren fehlt leider oft. Dies kann dazu führen, dass die Geschichte an Glaubwürdigkeit verliert und eher wie ein Thesenroman wirkt. Auch Lösungsvorschläge sucht man vergebens.

(Klischees und Stereotypen) Der Roman Fascholand bedient sich oft diverser Klischees, die man in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus häufig findet. Die Darstellung der “Nazis” ist oft karikaturhaft und vereinfacht, was die Komplexität des Phänomens unterschätzt. Dies kann die Leserschaft, die sich bereits mit dem Thema auseinander gesetzt hat, ein wenig enttäuschen.

(Stilistische Schwächen) Auch stilistisch weist der Roman kleinere Schwächen auf. Die Sprache ist zwar direkt und authentisch, aber an manchen Stellen holprig und stilistisch nicht ausgereift. Dies mag am Debütcharakter des Romans liegen, beeinträchtigt aber den Lesefluss und die literarische Qualität ein wenig.

Bitter, brilliant und wahnsinnig wahr – wie ein Tweet, für den man 48 Stunden gesperrt wird.

Jan Böhmermann

Fazit

Insgesamt ist “Fascholand” aber ein überaus wichtiger und notwendiger Roman. Er wirft einen ungeschönten Blick auf die Realität des Alltagsrassismus sowie die Gefahren des Rechtsextremismus. Trotz der stilistischen und inhaltlichen Schwächen, die dem Buch anhaften, die es aber auf anderer Seite wieder sympathisch machen, regt es zum Nachdenken an und leistet einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte.

Es ist ein Buch, das polarisiert und diskutiert werden sollte, auch wenn es literarisch nicht immer überzeugt. Wer einen packenden Roman über eine wichtige Thematik sucht, ist bei “Fascholand” an der richtigen Adresse. Wer jedoch eine literarisch ausgefeilte und differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema erwartet, könnte enttäuscht werden. Fascholand ist meiner Meinung nach ein Buch, welches sehr gut als Schullektüre angeboten werden kann.


Über Canberk Köktürk

Canberk Köktürk wurde 1990 im Ruhrgebiet geboren und ist der Sohn türkischer Gastarbeiter. Sein Germanistik- und Philosophie-Studium an der Universität Duisburg-Essen brach er aus familiären Gründen ab, absolvierte aber an derselben Universität später ein Bachelor-Studium in Politikwissenschaften.

Während seiner Studienzeit schrieb er unter anderem für die „taz“ und „ZEIT Online“. Seit 2021 ist er als Autor für das „ZDF Magazin Royale“ tätig und arbeitet dort in Writers’ Rooms und in der Dramaturgie. Er wirkte auch bei TV- und Internetformaten wie „Lass dich überwachen“ und „sympathisch“ mit. Darüber hinaus ist Köktürk an verschiedenen Serien und Filmen beteiligt.

Fascholand-Fakten

Canberk Köktürk
Ullstein-Verlag
317 Seiten
ISBN: 978-3-550-20424-1
Erschienen am 31. Juli 2025

Kategorien: Entertainment, Reingelesen

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