Ein Notizbuch ist ein Buch, in das man Dinge schreibt, die einem wichtig sind, zum Beispiel Erinnerungen und Gedanken, aber auch Informationen, die man nicht vergessen darf, Hinweise und vieles mehr. Ich mache das schon seit Jahren und ich mag es, wenn Notizhefte eine gewisse Patina haben, sich entwickeln, wenn die Seiten auch mal katastrophal aussehen, zum Beispiel, wenn ein Text durchgestrichen wurde, weil man etwas ergänzen wollte oder die Idee doch noch mal überdacht hat und für totalen Quatsch hält… Kurz – in einem Notizbuch darf man alles machen, was einem gefällt.

Wenn ich mir dann die ausgefeilten Bullet-Journals bei Instagram ansehe, wo sich Menschen extrem viel Arbeit machen und Ihre Planung, Ideen, ToDos und was sonst alles mit einer schönen Typo versehen, mit Bildern und kleinen Skizzen, so dass alles fast aussieht, als wäre es gedruckt, dann ist das auf der einen Seite wunderschön, schaut man sich gerne an, aber selber machen? Wo soll ich denn auch noch die Zeit hernehmen?

Muss ich mir so viel Druck auferlegen, nur für ein Notizbuch oder einen Kalender? Ich glaube nicht. Auf der Paperworld hatte ich mir dann das Produkt von Leuchtturm1917 angeschaut, ein Notizbuch für Bullet Journals. Moment… also ist ein Notizbuch gar kein Bullet Journal? Oder ist es nur eine außergewöhnliche Art, ein Notizbuch oder Kalender zu führen?

Und brauche ich dafür ein extra Buch oder kann ich das mit jedem Notizheft machen? Im Grunde kann man das, meiner Meinung nach, mit jedem Notizbuch oder Heft machen, es sollte nur eine entsprechende Papiergramatur haben, damit Füller oder andere Stifte nicht durchbluten. Die Papierstärke beim Leuchtturm Bullet Journal ist mit 80gr/m² im mittleren Segment angesiedelt – hier fände ich 90 gr/m² oder sogar 100 gr/m² wesentlich angenehmer.

 

Das Papier ansonsten ist ok, mein Füller allerdings blutet etwas durch und das will man vermutlich, gerade bei Bullet Journals, nicht. Und da Bullet Journals meistens von äußerst kreativen Menschen befüllt werden, wollen diese wahrscheinlich auch kein vorgedrucktes Inhaltsverzeichnis, so wie man es hier im Leuchtturm BJ findet, ich denke eher, dass diese Menschen selber ein Inhaltsverzeichnis erstellen wollen, eben so, wie sie es wollen.

Schön finde ich die insgesamt 3 Lesebändchen, so findet man sich in seinem Notizheft zwischen den eventuell angelegten Listen oder Themen immer wieder gut zurecht. Aber müssen wirklich Inhaltspunkte wie Index, Yearly Overview, Future Log, Monthly Overview, Daily Overview und Co. sein? Ich finde, man kann seine Zeit auch anders nutzen, als alles künstlerisch auszuarbeiten (auch wenn es oft sehr cool aussieht).

Die einzelnen Keys fürs Bullet Journal findet man auch vorne im Heft – für die Anfänger wahrscheinlich eine gute Sache, langjährige Anhänger der Bullet Journals benötigen diese wohl nicht mehr oder haben sich ihre eigenen Keys überlegt. Aber die Vorgedruckten nehmen jetzt auch keinen Platz weg und helfen denjenigen, die zum ersten mal ein Bullet Journal führen.

Das Bullet Journaling ist ein analoges System, das dazu designt wurde, die Vergangenheit nachzuverfolgen, die Gegenwart zu organisieren und die Zukunft zu planen. -Jyder Carroll

Ich habe generell ein Problem mit vorgefertigten Systemen, ich nutze mein eigenes System, welches wiederum aus den für mich passenden Systemteilen von den unterschiedlichsten Produktivitäts-Ideen besteht. Ich liebe meinen off.lines Block, nutze aber GTD nicht wirklich. Ich nutze Kreise für nicht erledigt und kreuze diese, wenn ich sie fertig habe. Also im Grunde eine Art Bullet Journal, nur ohne Schnörkel und unterschiedlichen Typos.

Fazit:

Ich finde das Leuchtturm Bullet Journal ok, als Notizbuch, auch Bullet Journal, als Buch, das ich vollschreiben kann. Es ist im Grunde ein normales Leuchtturm Notizbuch mit ein paar Extras und ist in meinen Augen eher für diejenigen gedacht, die sich einfach mal näher mit dem Thema Bullet Journaling beschäftigen wollen.

Für mich persönlich ist das nix, ich schaue mir solche Journals gerne an, ich mag aber auch vollgekrizelte Travelernotebooks oder andere Notizhefte, aber ich hätte aktuell keine Lust, mich abends hinzusetzen und in mühevoller Detailarbeit ein Notizbuch zu führen. Ich schnappe mir mein Timer, kritzel was rein, streiche was durch, schreibe mal mehr, mal weniger, skizziere auch mal was, aber ich führe keine durchdesignten (Bucket)-Listen mit Filmen, die ich noch sehen will, Bücher die ich lesen will oder Dingen, die ich unbedingt noch machen will. Ich designe auch nicht meine Termine besonders, für mich ist ein Notizbuch oder ein Kalender ein Arbeitshilfsmittel, wo Dinge schnell aufgeschrieben werden müssen.

Bestimmt gibt es auch Menschen, die ein Bullet Journal einfach  so führen, schnell, ohne Schnick Schnack, Flag vorne weg, Dinge notieren, fertig. Aber sind wir mal ehrlich, die meisten geben sich totale Mühe und haben ein schick gestaltetes Journal. Oder macht man das dann nur für die Fotos?

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Das Bullet-Journal wurde mir von Leuchtturm kostenlos zum testen zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde hierdurch selbstverständlich nicht beeinflusst. Wenn mir etwas nicht passt, dann schreibe ich das auch so auf. 

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