Wer einen klassischen, staubigen Biopic-Abend erwartet, wird von „Creation Stories: Der Mann, der Oasis entdeckte“ (Originaltitel: Creation Stories) herrlich überrumpelt. Der Film ist weniger ein Geschichtsbuch als vielmehr ein berauschter Fiebertraum durch die Ära des Britpop – und genau das macht ihn so sehenswert.
Alan McGee: Ein Wahnsinniger mit Methode
Im Zentrum steht Ewen Bremner, der Alan McGee nicht nur spielt, sondern ihn regelrecht verkörpert. Bremner liefert eine Tour de Force ab: Sein McGee ist ein manischer, größenwahnsinniger Visionär, der zwischen genialem Gespür für Musik und völligem Realitätsverlust pendelt. Mit einer Mischung aus schottischem Rotz und messianischem Eifer überzeugt er uns (und sich selbst) davon, dass jede Band, die er unter Vertrag nimmt, „größer als U2“ wird. Bremners Performance hält den Film auch in seinen chaotischsten Momenten zusammen und macht McGees Egozentrik seltsam charmant.
Trainspotting-Vibes auf Speed
Der Vergleich zu Trainspotting liegt nicht nur wegen Hauptdarsteller Ewen Bremner (der legendäre Spud) und Drehbuchautor Irvine Welsh nahe. Auch die Inszenierung der Drogenexzesse atmet denselben Geist. Schnelle Schnitte, surreale Sequenzen und eine Kameraführung, die Bilder liefert, als wäre selbst hier etwas zu viel Koks im Spiel.
Aber! Drogen werden hier nicht als moralisches Mahnmal inszeniert, sondern als treibender, zerstörerischer und oft absurder Teil der Industrie. Es ist laut, schmutzig und visuell berauschend – eine Achterbahnfahrt, die den Zuschauer fast so atemlos zurücklässt wie McGee nach einer Nacht im Hacienda.
Oasis: Das fehlende (und doch präsente) Zentrum
Interessanterweise – und das ist eine der klügsten Entscheidungen des Films – ist der deutsche Untertitel „Der Mann, der Oasis entdeckte“ fast schon ironisch zu verstehen. Während Oasis in McGees realem Leben und für seinen finanziellen Aufstieg die zentrale Rolle spielten, räumt der Film den Gallagher-Brüdern überraschend wenig Screen-Time ein.
Oasis fungiert hier eher als der heilige Gral am Ende einer langen Reise voller Pleiten und anderer Geniestreiche (wie The Jesus and Mary Chain oder Primal Scream). Der Film macht deutlich: Es geht nicht um die Band, es geht um den Mann, der verrückt genug war, an sie zu glauben. Oasis ist der Klimax, aber die „Creation Story“ ist McGees ganz eigene, egozentrische Odyssee.
Fazit: Ein wilder, anarchistischer Spaß, der das Lebensgefühl einer Ära perfekt einfängt. Wer Ewen Bremner in Hochform und eine Musik-Biographie ohne die üblichen Klischees sehen will, kommt an diesem Film nicht vorbei.
On Top gibt es bei dieser Bluray noch jede Menge Bonusmaterial, insg. 202 Minuten mit Interviews, der Dokumentation Upside Down: Die Creation Records Story, einem Making of und mehr. Großartig.

