Reingeschaut: The Holy Boy

Paolo Strippolis The Holy Boy (L’orto americano) ist ein faszinierendes Stück Genrekino, das beweist, dass der italienische Gothic-Horror noch lange nicht tot ist. Strippoli inszeniert den Film mit einer atmosphärischen Dichte, die an die großen Meister des Fachs erinnert, und schafft es, eine beunruhigende Melancholie über die gesamte Laufzeit zu halten.

The Holy Boy – Sehenswert!

Der Film besticht vor allem durch seine visuelle Sprache. Die Kameraarbeit fängt die ländliche Isolation und das Übernatürliche so greifbar ein, dass man die feuchte Erde und den Verfall förmlich riechen kann. Strippoli beweist ein exzellentes Gespür für Rhythmus und Spannungsaufbau – zumindest für etwa 90 Minuten. Die Geschichte um Schuld, Glauben und das Grauen, das unter der Oberfläche schlummert, wird mit einer Ernsthaftigkeit erzählt, die im modernen Horrorkino selten geworden ist.

Das Problem von The Holy Boy: Wenn das Ende nicht aufhören will

Die Kritik an The Holy Boy entzündet sich jedoch an der dramaturgischen Entscheidung für das Finale. Es gibt einen Punkt im Film – das „eigentliche“ Ende –, der thematisch konsequent, emotional wuchtig und visuell befriedigend gewesen wäre. Hier hätte der Vorhang fallen müssen, um den Zuschauer mit einer wohligen Gänsehaut in die Nacht zu entlassen.

Stattdessen begeht Strippoli den Fehler, den viele ambitionierte Regisseure machen: Er traut der Stille nicht und will noch einen draufsetzen. Ein klassischer Overkill-Effekt. Das tatsächliche Ende wirkt wie ein angeklebtes Epilog-Kapitel, das versucht, die vorangegangenen Ereignisse noch einmal zu überbieten oder unnötig zu erklären. Durch diesen Nachschlag wird die dichte Atmosphäre, die mühsam aufgebaut wurde, zugunsten eines plakativen Schockeffekts oder einer zu expliziten Auflösung geopfert. Was als subtiler, tiefgründiger Horror begann, rutscht in den letzten Minuten in eine Redundanz ab, die dem Film eher schadet als hilft.

Fazit: The Holy Boy ist ein visuell berauschender und atmosphärisch starker Film, der italienisches Horrorkino auf hohem Niveau bietet. Man muss ihm lediglich verzeihen, dass er den perfekten Ausstiegspunkt verpasst hat, weil er am Ende zu viel auf einmal wollte.

The Holy Boy – Inhalt:

Nach einem traumatischen Erlebnis versuchte der psychisch gebrochene Lehrer Sergio in einem abgelegenen Alpendorf einen Neustart. Im krassen Kontrast zu seinem eigenen Befinden wirken alle Einheimischen glücklich. Bald erfährt er den Grund: Wer den introvertierten Jugendlichen Matteo umarmt, verliert alle negativen Gefühle. Der Junge wird von seinem Vater und der Kirche als Heiliger vermarktet und ausgenutzt. Als Sergio den Holy Boy dazu ermutigte, seine Rolle auszubrechen, hat das verheerende Konsequenzen.

The Holy Boy – Trailer:

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Kategorien: Entertainment, Reingeschaut

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