Reingeschaut: Das Kanu des Manitu

Ja, ich habe gelacht. Viel gelacht. Aber war das wirklich notwendig? Also das ganze? Diese Fortsetzung? Es ist das Jahr 2025 (bzw. 2026), und Michael „Bully“ Herbig hat es tatsächlich getan. Er hat die Winnetou-Perücke wieder ausgegraben und startet in ein neues, humorvolles Abenteuer. War das nötig? Irgendwie nicht. Hat die Welt darauf gewartet? Nicht wirklich. Ist der Film lustig? Ja, doch, kontinuierlich.

Die Handlung (oder so…)

Machen wir es doch kurz, denn das Drehbuch tut es auch: Abahachi und Ranger müssen wieder irgendwo hinreiten (oder besser gesagt paddeln) und etwas erledigen und etwas finden, Dimitri ist selbstverständlich dabei, Winnetouch natürlich auch, Santa Maria zum Glück ebenfalls und es gibt böse Buben, die es ebenfalls auf das sagenumwobene Kanu abgesehen haben. Die Story passt – wie schon beim Schuh des Manitu – auf einen Bierdeckel, den man nach drei Hellen vollgekritzelt hat. Aber man geht ja auch nicht für den Plot in einen Bully-Film.

Das Gute: Die verdammte Chemie

Es ist wirklich verwunderlich und unterm Strich sehr angenehm, wie gut Herbig, Tramitz und Kavanian mit ihren oft recht platten Witzen und Sprüchen immer noch funktionieren.

  • Das Timing: Wenn Ranger und Abahachi sich in ihren endlosen, sinnbefreiten Dialogen verheddern, sitzt jede Pause, jeder Blick. Das ist handwerklich einfach frustrierend perfekt.
  • Rick Kavanian: Er stiehlt jede Szene. Jede. Man will genervt sein, weil er im Grunde die gleichen Grimassen schneidet wie vor 25 Jahren, aber dann bricht man doch zusammen vor Lachen.
  • Die Optik: Der Film sieht unverschämt gut aus. Man merkt, dass hier richtig Geld in die Hand genommen wurde. Das Wild-West-Setting (oder wo auch immer sie diesmal gedreht haben) wirkt episch, was den Kontrast zum Blödsinn der Dialoge nur noch lustiger macht.

Das Genervte: Die Nostalgie-Keule

Hier kommt mein großes “Aber”. Das Kanu des Manitu ruht sich so sehr auf den Lorbeeren des Vorgängers aus, dass es schon fast frech ist.

  • Recycling: Gefühlt 40 % der Gags sind Zitate oder Variationen aus dem ersten Teil. “Erinnert ihr euch an den Superperforator? Hier ist er nochmal, nur in Grün!” Das ist Fanservice mit dem Holzhammer.
  • Die Meta-Ebene: Bully kann es nicht lassen, kleine Spitzen gegen die heutige Zeit, Cancel Culture und die Debatte um kulturelle Aneignung einzubauen. Manchmal ist das clever, oft wirkt es aber wie ein trotziges Kind, das sagt: “Ich darf das aber!” und ja, es darf!
  • Der Song: Natürlich gibt es wieder eine Musiknummer. Musste das sein? Sie ist ein Ohrwurm, und ich werde sie morgen unter der Dusche summen. Und das macht mich grinsend ein wenig wütend.

Das Kanu des Manitu Trailer:

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Fazit

Das Kanu des Manitu ist wie ein Klassentreffen. Man freut sich riesig, die alten Gesichter zu sehen, man lacht über die alten Geschichten (“Weißt du noch damals?”), aber nach zwei Stunden merkt man auch, warum man sich 20 Jahre lang nicht gesehen hat: Man hat sich eigentlich nichts Neues zu erzählen.

Es ist ein guter, solider Komödien-Blockbuster, der genau das liefert, was bestellt wurde. Nicht mehr, aber auch keinen Deut weniger. Wer den Schuh liebte, wird hier glücklich. Wer gehofft hat, dass sich der Humor weiterentwickelt hat, wird oft auf die Uhr schauen.

Kategorien: Entertainment

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