Tron, ein audiovisueller Triumph, der mich trotzdem kalt ließ
Es gibt diese Filme, bei denen man im Kinosessel sitzt, die schiere Brillanz auf der Leinwand anerkennt – und trotzdem beim Abspann feststellt, dass das Herz nicht ein einziges Mal schneller geschlagen hat. Tron: Ares ist für mich genau so ein Film, nur saß ich nicht im Kino, sondern irgendwie gelangweilt auf der Couch.
Regisseur Joachim Rønning hat mit dem dritten Teil der Kult-Reihe zweifellos ein handwerkliches Meisterwerk abgeliefert. Doch während mein Verstand die Qualität des Gesehenen applaudiert, blieb meine persönliche Begeisterung leider auf der Strecke.
Was den Film objektiv gesehen unglaublich gut macht, ist die Visuelle Überwältigung. Die Art und Weise, wie Tron: Ares die digitale Welt des “Grids” mit der rauen, physischen Realität verschmelzen lässt, ist bahnbrechend. Das Produktionsdesign, die Neon-Ästhetik und die nahtlosen CGI-Effekte setzen neue Maßstäbe im Sci-Fi-Genre. Jedes Frame sieht aus wie ein durchdachtes Kunstwerk.
Auch der Soundtrack kommt gut. Auch wenn ich kein Fan von der Band bin, Nine Inch Nails (Trent Reznor und Atticus Ross) sind hier schlichtweg genial und absolut passend. Düsterer, industrieller und treibender als die legendären Daft-Punk-Klänge aus Legacy, passt aber hier perfekt zur Bedrohung, die von einer in die echte Welt eindringenden KI ausgeht.
Der Film nimmt seine Prämisse ernst. Die Umsetzung, wie ein Programm (Ares) unsere analoge Welt wahrnimmt und mit ihr interagiert, ist clever geschrieben und inszenatorisch extrem hochwertig gelöst.
Der Funke springt aber subjektiv gesehen nicht über. Trotz all dieser filmischen Perfektion hat mich Tron: Ares emotional fast völlig unberührt gelassen. Vermutlich gebe ich ihm irgendwann in der nächsten Zeit, wenn ich mal so gar nix zu tun habe, eine zweite Chance.
Aber woher kommt das?
Es liegt vor allem an einer spürbaren Sterilität, die den gesamten Film durchzieht. Jared Leto spielt das Programm Ares zwar methodisch und der Rolle der künstlichen Intelligenz absolut angemessen – aber genau das macht es unheimlich schwer, eine Bindung zu ihm aufzubauen. Es fehlt ein echter emotionaler Anker, ein menschliches Herz, das im Kontrast zu der kalten Maschinenwelt schlägt. Vielleicht haben die Macher dieses Films aber auch alles richtig gemacht und die “KI” lässt mich hier vollkommen kalt.
Zudem wirkt die Handlung stellenweise eher wie ein Alibi, um von einem spektakulären Set-Piece zum nächsten zu hetzen. Die Dialoge sind oft sehr funktional, wodurch sich der Film eher wie eine exzellent designte Tech-Demo anfühlt als wie eine packende Geschichte, mit der man mitfiebert.
Fazit
Tron: Ares ist paradox. Er ist ein Film, den man aufgrund seiner Optik, seiner Ambition und seines grandiosen Soundtracks eigentlich zwingend auf der größtmöglichen Leinwand gesehen haben muss. Sci-Fi-Fans und Liebhaber von starker Ästhetik werden hier ein echtes Fest feiern.
Ich persönlich verneige mich vor der brillanten Umsetzung – aber in meine Liste der Lieblingsfilme wird Tron: Ares nicht einziehen. Er ist perfekt konstruiert, aber leider auch genauso kühl.

