Reingeschaut: Eddington

Ich habe lange überlegt, ob ich über Eddington überhaupt schreiben soll, aber über diese filmische Quarantäne zu schreiben, kann ja auch Spaß machen. Also fangen wir mal an.

Ari Aster ist bekannt dafür, sein Publikum unbehaglich schaudern zu lassen. Bei Eddington gelingt ihm das auch, allerdings nicht durch psychologischen Horror, sondern durch den Blick auf die verbleibende Laufzeit. Was als ambitionierte Western-Satire angekündigt wurde, entpuppt sich als ein bleiernes Epos, das den Zuschauer in einer Zeitschleife aus Langeweile gefangen hält.

Eddington & das Pacing: Ein Standbild in Überlänge

Der Film leidet an einer massiven Self-Indulgence. Nahezu jede Szene wird bis zum Äußersten gedehnt; jeder Dialog, der in zwei Sätzen alles Wesentliche sagen könnte, wird zu einem zehnminütigen Monolog aufgeblasen. Die Handlung tritt also nach dem ersten Drittel fast vollständig auf der Stelle. Schnitttechnisch wurde der Cutter bereits vor den Dreharbeiten entlassen und das Ergebnis ist ein Film wie ein Testergebnis, das man verspätet erhält.

Eddington & der „Corona-Effekt“: Eine Obsession, die zum Anachronismus wird

Was jedoch am schwersten wiegt, ist die thematische Besessenheit mit der Pandemie-Ära. Eddington versucht krampfhaft, die Hysterie, die Isolation und den gesellschaftlichen Zerfall der Lockdown-Jahre in ein Western-Gewand zu hüllen.

Ja, wir haben es verstanden. Die Welt war im absoluten Ausnahmezustand. Aber diese Corona-Metaphern, die uns Menschen sowie auch Filmemacher nun seit Jahren als tiefschürfende Gesellschaftskritik verkaufen wollen, wirken mittlerweile nur noch wie ein Relikt aus einer Zeit, die wir hinter uns lassen wollen und sollen.

Es wirkt fast so, als hingen Aster und sein Team in einer kreativen Echokammer fest, in der sie glauben, das Thema sei noch immer brandaktuell und absolut provokant. In Wahrheit ist dieser erzählerische Fokus mittlerweile ermüdend und äußerst langweilig. Wir brauchen keine cineastischen Denkmäler für die Paranoia von 2020 mehr – wir brauchen frische Visionen.

Eddington, ein Fazit

Eddington ist handwerklich zwar hochwertig produziert und schauspielerisch (trotz der Überzeichnung) solide, aber er scheitert an seiner eigenen Wichtigkeit. Die Langatmigkeit macht ihn zu einer Qual für das Sitzfleisch, und der krampfhafte Rückblick auf die Pandemie-Psychose fühlt sich nicht wie Reflexion an, sondern wie eine unnötige Verlängerung einer ohnehin schon zu langen Quarantäne.

Eddington ist ein Film, der dringend eine Maske bräuchte – und zwar eine, die ihn daran hindert, noch mehr Zeit des Publikums in Anspruch zu nehmen.

Eddington Trailer:

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Kategorien: Entertainment, Reingeschaut

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