Hunting Season – Blutige Fährte liefert genau das, was Fans von schnörkellosen Survival-Thrillern suchen. Regisseur RJ Collins setzt auf eine klassische, aber hocheffektive Prämisse, die vor allem durch die ungebrochene Bildschirmpräsenz von Mel Gibson getragen wird und den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in Atem hält.
Die Story wirft uns direkt in die rauen, abgelegenen Wälder von Oklahoma. Hier lebt Bowdrie „Bo“, ein wortkarger, sichtlich vom Leben gezeichneter Überlebenskünstler, gemeinsam mit seiner schlagfertigen Teenager-Tochter Tag. Das Leben abseits der Zivilisation gerät jedoch schlagartig aus den Fugen, als Tag eine schwer verletzte, angeschossene Frau namens January am Flussufer findet. Obwohl Bos Instinkt ihm sagt, sich herauszuhalten, siegt die Menschlichkeit. Doch January ist auf der Flucht vor einem skrupellosen Kartellboss namens Alejandro. Damit ist die Fährte gelegt und das Syndikat rückt an, um Zeugen zu beseitigen. Isoliert und auf sich allein gestellt, muss Bo die schlafende Bestie in sich erwecken, um das Einzige zu beschützen, was ihm im Leben noch etwas bedeutet: seine Tochter.
Man merkt dem Film in jeder Sekunde an, dass er maßgeschneidert für sein gealtertes Alpha-Tier ist. Mel Gibson spielt den stoischen, vom Leben geprüften Vater nicht nur, er lebt ihn. Seine immense und ungebrochene Ausstrahlung trägt das Geschehen mühelos über die gesamte Laufzeit und verleiht der Rolle eine enorme, greifbare Gravitas. Seine Performance erinnert in den besten Momenten an eine düstere, kompromisslose Version von Mad Max gepaart mit der emotionalen Wucht aus Blood Father. Wenn Bo gezwungen wird, die Samthandschuhe auszuziehen – etwa in einer berüchtigt-brutalen Verhörszene in seiner Garage –, blitzt die manische, furchtlose Energie auf, die Gibson berühmt gemacht hat.
Der Film hätte leicht in ein stumpfes Action-Einerlei abdriften können, doch das eigentliche Herzstück ist die Beziehung zwischen Bo und Tag. Sofia Hublitz liefert hier eine fantastische Leistung ab und spielt keine hilflose Damsel in Distress, sondern eine junge Frau, die durch das raue Leben im Wald abgehärtet ist. Die Chemie zwischen ihr und Gibson verleiht dem anschließenden Überlebenskampf ein echtes emotionales Fundament. Man zittert mit den Figuren, weil einem das Schicksal dieser kleinen Familie am Herzen liegt.
Hunting Season erfindet das Rad des Genres zwar nicht neu und die gesamte Handlung bewegt sich auf durchaus bekannten, vorhersehbaren Pfaden, da die Plot-Punkte rund um das Kartell und die geflüchtete Zeugin bekannten Mustern folgen. Auch der von Jordi Mollà gespielte Antagonist Alejandro agiert zwar gewohnt solide, bleibt im Kern aber leider etwas klischeehaft und eindimensional. Dennoch inszeniert Collins den Survival-Aspekt extrem packend, indem er durch die geschickte Isolation der Hütte von Beginn an eine dichte, nervenzerreißende Belagerungs-Atmosphäre generiert.
Da die FSK-18-Freigabe voll ausgeschöpft wird, sind die Konfrontationen rau, schmutzig und von einer spürbaren Physis geprägt. Es gibt keine übertriebenen CGI-Gewitter. Stattdessen dominieren handgemachte Shootouts und intensive Nahkämpfe, die im belagerten Waldland perfekt zur Geltung kommen. Mit einer straffen Laufzeit von rund 96 Minuten leistet sich der Thriller zudem keinerlei Längen, was den Spannungsbogen konsequent straff und das gesamte Seherlebnis extrem kurzweilig hält.
Als Fazit bleibt zu sagen, dass Hunting Season – Blutige Fährte ein Paradebeispiel für einen gelungenen, geradlinigen Actionthriller ist. Wer Filme wie Taken oder Rambo mag und Mel Gibson gerne in der Rolle des unerbittlichen, aber herzensguten Beschützers sieht, bekommt hier ein echtes Brett serviert. Der Film präsentiert sich roh, spannend und emotional voll auf den Punkt.

