Mit Vollgas über die Autobahn brettern ist stressig und nervig, da ist doch entspanntes cruisen viel besser, langsam durch Venice Beach rollen, vom Lincoln Blvd. auf die Route 1 abbiegen und an der Küste entlang Richtung Topanga Beach fahren und neben dem Blubbern des 77er El-Caminos hören wir die sanften Töne von Unlearning Vol. 2, dem neusten Werk von Evidence.
Evidence, Mitglied der legendären Dilated Peoples und eine hälfte des Duos Step Brothers, liefert mit “Unlearning Vol. 2” eine Fortsetzung des ersten Teils, die sowohl Vertrautes aufgreift als auch neue, subtile Nuancen in sein musikalisches Schaffen einbringt. Die Erwartungshaltung war nach dem Erfolg des ersten Teils groß und Evidence enttäuscht nicht – auch wenn man sich auf einen langsameren, introspektiveren Trip einlassen muss.



Die Beats sind ein zentrales Merkmal, welche sofort ins Auge – oder besser gesagt, ins Ohr stechen. Sample-Basiert, voller Seele und gut geerdet, eben so, wie man es von Evidence kennt und liebt. Im Gegensatz zu älteren Werken wirkt Unlearning Vol. 2 allerdings durchgehen entschleunigt. Ehrlich gesagt sind die Tracks langsamer als langsam, stellenweise nimmt das Album fast meditative Züge an.
Jedoch stellt diese Langsamkeit keinen Mangel dar, sondern ist durchaus eine künstlerische Entscheidung von Mr. Slow Flow. Sie zwingt den Hörer dazu, genauer zuzuhören und auf die kleinen Nuancen in den Cuts, die sorgfältig und aus tiefen, staubigen Kisten gezauberten Samples sowie subtile Basslinines zu achten. Unlearning Vol. 2 ist ein Album, das perfekt für die eigenen vier Wände ist, Kopfhörer auf und durchatmen, dann funktioniert es richtig gut, beim ersten durchhören im Auto dachte ich auch erst “nee, das ist es nicht…”, aber zu Hause dann, auf der Couch, mit den Füßen auf dem Tisch und geschlossenen Augen, funktioniert dieses Album richtig gut!
Und auch wenn mich damals Unlearing Vol. 1 nicht wirklich überzeugt hat, der Zweite Teil ist durchaus gelungen, wobei ich mich auch hier über ein, zwei, sagen wir mal druckvollere Tracks gefreut hätte. Aber am Ende ist es ein Gesamtkunstwerk und ja, auch Unlearing Vol. 1 funktioniert in ruhigen Momenten besser, als im hektischen Alltag.


Inhaltlich geht es im 2. Teil um persönliche Reflexionen, zum Beispiel über das Leben als Künstler oder den Herausforderungen des Älterwerdens, aber immer ohne dabei in irgendwelche Klischees abzurutschen. Das ganze trägt Ev in einer absolut ehrlichen Authentizität vor, die man heute in den meisten Rap-Tracks vergeblich sucht. Die langsamen Beats geben ihm hier den nötigen Raum, damit seine Worte richtig wirken.
Unlearning Vol. 2 ist definitiv kein energiegeladenes und partyorientiertes Album, sondern ein reifes, in sich ruhendes Album, das ganze andere Stärken hat. Es ist am Ende nicht nur eine musikalische Fortsetzung, sondern auch eine konzeptuelle.
Evidence lädt Euch zu einer ganz entspannten Reise ein und zeigt, dass er ein Meister in seinem Fach ist der keine Angst davor hat, sich musikalisch weiterzuentwickeln, ohne dabei seiner Vision treu zu bleiben.
Evidence – Rain Every Season ft. The Alchemist
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Tracklist Unlearning Vol. 2
01. Plans Change
02. Different Phases
03. Future Memories (feat. Larry June)
04. Outta Bounds
05. Seeing Double
06. Nothing to See Here
07. Define Success
08. Stay Alive (feat. Blu)
09. Nothing’s Perfect
10. Favorite Injury (feat. Domo Genesis)
11. Top Seeded
12. Greatest Motivation (feat. Theravada)
13. Rain Every Season (feat. The Alchemist)
14. Laughing Last
15. Dutch Angle
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